Persönlichkeiten der Pilzgeschichte

María Sabina (1894-1985)

Die erste mexikanische Schamanin, curandera, aus Oaxaca, die es Forschern der westlichen Welt erlaubte, an der Heilzeremonie velada teilzunehmen, in der sie mithilfe der Pilze (Psilocybe mexicana) Heilung und Reinigung beschwor. 1953 erlaubte sie Gordon Wasson zum ersten mal, der Zeremonie als Zuschauer beizuwohnen und 1955 liess sie ihn schliesslich teilhaben. Wasson nahm einige Pilze mit nach Europa und schrieb 1957 einen Artikel für das Life Magazin über seine Begegnung mit María, der die Aufmerksamkeit der westlichen Welt auf das kleine Dorf Huautla de Jimenéz, ihre Heimat lenkte. Zwar gab er ihr das Pseudonym „Eva Mendez“, doch war das Dorf durch seinen Artikel so leicht zu finden, dass bald Scharen junger Amerikaner auf der Suche nach dem Transzendentalen vor Marías Tür standen. Mit der Zeit zerstörten die Pilgerscharen Marías ruhiges Dorfleben und brachten die mexikanische Polizei auf die Idee, die Schamanin verkaufe dort Drogen an Ausländer, woraufhin sie endgültig aus der Dorfgemeinschaft ausgeschlossen wurde.

Robert Gordon Wasson (1889 – 1986)

Robert Gordon Wasson

Ein amerikanischer Banker, Autor und Ethnomykologe der 1953 die Bekanntschaft von María Sabina machte und zwei Jahre später als erster Angehöriger der westlichen Kultur an der Heilzeremonie teilnahm in der er die Kraft der Pilze kennenlernte. 1956 kehrte er erneut nach Oaxaca zurück, um mehr über die Pilze zu erfahren und einige davon zur Untersuchung mitzunehmen. Er wurde dabei begleitet von James Moore, einem Agenten der CIA, der wiederum den Auftrag hatte, soviel wie möglich über die im Westen bis dato praktisch unbekannten psychedelischen Pilze zu erfahren. Dies geschah im Rahmen des MKUltra Projekts.

Life Artikel 1957

1957 veröffentlichte Wasson einen Artikel über seine Erlebnisse in Oaxaca in dem Magazin Life – „Seeking the magic mushroom“, in dem zum ersten mal der Ausdruck „magic mushrooms“ benutzt wurde.

Wassons Interesse an Pilzen bestand seit 1927 und nachdem er durch María Sabina auf deren spirituelle Facette aufmerksam geworden war, publizierte er „Soma – Divine Mushroom of Immortality (Soma – göttlicher Pilz der Unsterblichkeit)“, in dem er seine Theorie erklärte, dass das in der vedischen Kultur heilige Getränk Soma auf Amanita Muscaria basierte.

Gastón Guzmán Huerta (1932 – 2016)

Ein mexikanischer Mykologe der als einer der Ersten Mykologen die Gattung Psilocybe ausführlich beschrieb und mehr als die Hälfte aller heute bekannten Spezies psilocybinhaltiger Pilze als erstes bestimmte. In seinen Studien arbeitete er zusammen mit Rolf Singer und veröffentlichte 1973
The Genus Psilocybe: A Systematic Revision of the Known Species Including the History, Distribution and Chemistry of the Hallucinogenic Species, das bis dato umfassendste Werk zu dieser Spezies. Guzmán war ohne Zweifel eine Autorität auf dem Gebiet, weswegen auch 19 Pilzarten nach ihm benannt wurden, darunter auch Psilocybe Guzmanii.

Albert Hofman (1906 – 2008)

Ein schweizer Chemiker, der als erstes die Alkaloide Psilocybin und Psilocin benannte und aus Pilzen isolierte und synthetisierte. 1958 veröffentlichte er Psilocybin, ein psychotroper Wirkstoff aus dem mexikanischen RauschpilzPsilocybe mexicana Heim. Um sicherzugehen, dass es ihm tatsächlich gelungen war, den Stoff zu isolieren, der für die psychedelische Wirkung der Pilze verantwortlich war, reiste er 1962 mit Wasson nach Oaxaca und bot das von ihm synthetisierte Psilocybin María Sabina zum probieren an. Die bestätigte, dass der durch synthetisches Psilocybin herbeigeführte Zustand dem durch die Pilze ausgelösten sehr ähnlich oder identisch war.

Hoffman 1983

Für die Synthese hatte er Proben benutzt, die Roger Heim und Wasson von ihrer Expedition nach Mexico 1956 mitgebracht hatten. Aus den Sporen züchtete Hoffman in seinem Labor Psilocybe Mexicana und entdeckte bei dieser Gelegenheit auch gleich die Möglichkeit, bei den richtigen Aussenbedingungen Sklerotien statt Pilze zu züchten.
Zu Weltruhm kam Hoffman als Entdecker von LSD 25, welches er 1938 zum ersten Mal beim Experimentieren mit Lysergsäure herstellte. 1943 entdeckte er dessen Wirkung durch einen versehentlichen Selbstversuch und bezeichnete den Stoff als wichtiges Werkzeug für die Psychoanalyse.

Nachdem er allerdings Psilocybin kennerngelernt und die Erfahrungen durch die jeweiligen Stoffe verglichen hatte, eröffnete er 1989 dem Chemiker und Mykologen Jochen Gartz, dass für ihn Psilocybin „tiefer wirkte“ als LSD.

Aldous Huxley (1894-1963)

Ein englischer Schriftsteller und Philosoph, der 1953 zum ersten mal mit Psychedelika in Kontakt kam, als er Meskalin einnahm. Die Erfahrung empfand Huxley als so profund, dass sie ihr das Buch „The Doors of Perception“ (Die Pforten der Wahrnehmung) widmete. (englische PDF – Download)

Später wurde er Gründungsmitglied des Harvard Psilocybin Projekts.

Seine Erfahrungen mit Psychedelika brachten ihn zu der Einsicht, dass das Gehirn ein „Werkzeug mit dem Zweck, den Geist zu fokussieren“ sei, eine Theorie die wesentlich später von Neurologen bestätigt wurde.

David Nutt

Edmond J. Safra Professor der Neuropsychopharmakologischen Einheit am Imperial College of London, Vorsitzender des wissenschaftlichen Kommittees drug science, Präsident des European brain council, Autor von „drugs without the hot air“ (Drogen ohne die heisse Luft) und ehemaliger Drogenberater der Regierung von Grossbritannien.

David Nutt erkannte in seiner Amtszeit als Drogenberater, dass die UK Regierung ihre Drogenpolitik auf einer Mischung von Spekulationen und den Klassifikationen der UNO – Richtlinien von 1971 aufbauen musste, da keinerlei wissenschaftlich sachlicher Vergleich der tatsächlichen Risiken durch Drogen existierte.

Nutt und seine Kollegen nutzten statistische Daten um den tatsächlichen Schaden am Induviduum und der Gesellschaft durch Drogen einzuschätzen und veröffentlichten im März 2007 ein neues System zum Vergleich der Gefahren durch verschiedene Drogen.

Die Ergebnisse dieser Vergleichsstudie entsprachen nicht der gängigen Sichtweise, da vor allem legaler Alkohol wegen seiner enormen verbreitung in der britischen Gesellschaft statistisch wesentlich mehr Schaden anrichtet als beispielsweise Cannabis oder Ecstasy (MDMA).

Nutt stand zu den Ergebnissen seiner Forschung und wurde 2009 von der grossbritannischen Regierung entlassen, nachdem er deutlich und öffentlich kundgegeben hatte, dass LSD und Ecstasy weniger gefährlich seien als Alkohol.

Um seinen Standpunkt zu unterstreichen, veröffentlichte Nutt kurz vor seiner Entlassung einen satirischen Artikel im Journal of psychopharmacology, in dem er die entstandenen Schäden durch Reiten mit den Schäden durch Ecstasy vergleicht – wobei statistisch gesehen Reiten wesentlich gefährlicher ist, ein Sport der beispielsweise in den USA 11.500 Schädeltraumata pro Jahr verursacht.

„Das darf man nicht vergleichen, weil ecstasy illegal ist!“, so verteidigte der Innenminister die britannische Drogenpolitik.
Nach seiner Entlassung erhielt Nutt den „John Maddox Preis für das Einstehen für die Wissenschaft“ und veröffentlichte 2012 sein Buch darüber wie Schäden durch legale und illegale Drogen zu minimieren seien.