Mykologie

Die Wissenschaft der Pilze

Pilze so wie wir sie kennen sind eigentlich bloss Fruchtkörper eines unterirdische Organismus, des Myzels. Das Myzel, ist ein Netzwerk aus hauchfeinen, fadenartigen Hyphen, nimmt Wasser und Nährstoffe auf und wartet auf günstige Bedingungen um Pilze auszubilden. Treten diese Bedingungen nicht ein, so bildet das Myzel stattdessen Sklerotien.

Je nach Aussenbedingungen bildet das Myzel entweder Pilze oder Trüffel aus.

„Psylocybinhaltige Pilze“ (auch: Zauberpilze, Psilos, heilige / psychedelische / magische Pilze) ist ein Sammelbegriff für 186 verschiedenen Arten die die psychedelisch (griechisch: psyche = Seele, delos = offenbaren) wirkenden Tryptamine Psilocybin und Psilocin enthalten. Für mehr Informationen über die chemische Wirkung, siehe „der Sinn der Mikrodosierung

Rituelle Nutzung der Pilze

Der Gebrauch dieser Pilze im religiösen/spirituellen und auch medizinischen Zusammenhang hat in manchen Kulturen eine sehr lange Tradition. Die ältesten Funde prähistorischer Pilz-Kunst in Form von Felsmalereien sind tausende von Jahren alt, wie beispielsweise die in der Wüste Sahara entdeckten Malereien der „Pilzläufer“, die etwa 9000 vor Christus entstanden sind.

Am besten bekannt für die schamanische Nutzung psylocybinhaltiger Pilze ist Lateinamerika, wo im 16. Jahrhundert der spanische Missionar und Ethnologe Bernardino de Sahagún Aufzeichnungen über die Pilzriten der Azteken machte. Die Azteken nutzten Teonanacatl, auf Nahuatl, der Sprache der Azteken „Fleisch Gottes“ (eigentlich psilocybe mexicana). In diesen Riten wurden die Pilze zusammen mit Honig und Schokolade eingenommen und als „direkter Draht“ zu den Göttern verehrt.

Pilzsteine, ca. 30cm hoch und über 3000 Jahre alt

Die „mushroom stones“ (Pilzsteine) aus der Kultur der Maya deuten auf die rituelle und zeremonielle Anwendung der Pilze auch in dieser Hochkultur hin.

Pilze in Europa

Muscimol

In Europa war dagegen vor allem der Gebrauch von Amanita muscaria, Fliegenpilzen gängig, deren bedingt psychoaktiver Inhaltsstoff Ibotensäure beim Trocknen des Pilzes zu Muscimol wird, ein psychotropes Alkaloid. Die Wirkung dieses Stoffes ähnelt der Wirkung der Psilocybe Pilze kaum, zudem ist die Dosierung extrem schwer einzuschätzen.

Seit Jahrtausenden sammeln die Schamanen besonders sibirischer Völker diese Pilze, die ebenfalls als „göttliches Fleisch“ gelten und eingenommen werden, um Zugang zur spirituellen Welt zu erhalten.

Fliegenpilze wachsen für gewöhnlich in Nadelwäldern, da sie nur in einer symbiotischen Beziehung zu Nadelbäumen oder Birken leben können. Aus diesem Grund ist es bisher auch nicht gelungen, sie zu züchten.

Fliegenpilze in der Popkultur: dieser Pilz schenkt dem Konsolenlpieler ein „Extra-Leben“

Dennoch ist die Tradition, Fliegenpilze rituell zu gebrauchen, tausende von Jahren alt und heute noch sind Spuren davon zu sehen; ob in Bildererbüchern, Kindergärten, Videospielen, oder als Glücksbringer zu Silvester, überall tauchen die auffälligen Pilze auf und werden mit positiven Emotionen verbunden, trotz ihrer Einstufung im Pilzführer als „giftig“. Isst man sie allerdings roh, erwarten einen Magenkrämpfe und Erbrechen, das Trocknen ist ein wichtiger wenngleich sehr einfacher Schritt der Zubereitung.

Was sind magische Trüffel?

Magische Trüffel (Auch: Zaubertrüffel, Psilocybe Trüffel, Philosopher’s stones) sind Sklerotien, verhärtetes Myzel psylocybinhaltiger Pilzarten das, um sich vor schädlichen Einflüssen von aussen zu schützen, eine Art Minibunker bildet, der Wasser und Nährstoffe hält bis sich die äusseren Bedingungen gebessert haben und das Myzel weiterwachsen kann.

Diese Sklerotien, also Trüffel, sind erstaunlich gleichmässig in ihrem Gehalt von Psilocybin. Das unterscheidet sie von Pilzen, bei denen der Gehalt aktiver Stoffe mitunter stark schwankt, was sie schwerer einzuschätzen und für die Mikrodosierung weniger geeignet macht.

Sind psilocybinhaltige Pilze gefährlich?

Die Menge macht’s.

Die Einstufung der magischen Pilze als besonders unberechenbar und dadurch gefährlich rührt einerseits daher, dass die Potenz , also die Menge Psilocybin pro Pilz schwankt. Verschiedene Spezies sind unterschiedlich potent, aber auch innerhalb einer Spezies variiert der Psilocybingehalt. Die Grösse ist dabei kein verlässlicher Indikator.

die Potenz des Pilzes ist nicht unbedingt abhängig von der Grösse

Bei magischen Trüffeln ist das anders, denn es gibt viel weniger Sorten, deren Potenz konstant und wohlbekannt ist, sodass die Wirkung leicht einschätzbar ist.

Um tatsächlich sagen zu können, wie gefährlich magische Pilze oder Trüffel sind, wurde 2010 eine Klassifikationsstudie zur Einschätzung des Gefahrenpotentials für Individuum und Umfeld verschiedener psychoaktiver Stoffe im Vergleich herrausgegeben:

Mushrooms, Pilzen, wurde dabei die niedrigste Punktzahl zugeordnet, was sie unter 20 verschiedenen Substanzen als die sicherste qualifiziert.

Witzigerweise ist psilocybin so wenig toxisch, dass ein Mensch mit 60kg Körpergewicht, um die tödliche Dosis zu erreichen, 1,7 kg getrocknete, bzw. 17kg frische Pilze zu sich nehmen müsste – unmöglich also.

Woher also der schlechte Ruf?

Bis 2008 waren magische Pilze in der Niederlande völlig legal erhältlich, wurden offen produziert und verkauft und galten als harmlos: Im besten Falle ein Leckerbissen für den gut informierten Kunden auf der Suche nach einem Perspektivwechsel, im schlimmsten Falle eine Freizeitdroge für abenteuerlustige Touristen.

Ein Grund für den Ruf magischer Pilze, unberechenbare oder sogar gefährliche Wirkungen zu entfalten, sind einige bizarre Fälle im Jahr 2007, in denen Pilze fälschlicherweise als Ursachen für bizarre Unfälle oder Verbrechen identifiziert wurden.

2007 gab es in Amsterdam den „Fall des Mannes der seinen Hund häutete„, wobei ein französischer Truckfahrer festgenommen wurde, der dabei war, sein Haustier zu verstümmeln.

Tatsächlich stellte man wenige Tage nach dem Fall fest, dass der Mann zwar nicht unter dem Einfluss von Pilzen gestanden hatte, jedoch psychotisch war.

Ein weiterer Fall der im März 2007 Schlagzeilen gemacht hatte, war der Selbstmord einer 17-jährigen Französin mit einer Vorgeschichte psychischer Probleme. Sie hatte offenbar Pilze auf offener Strasse konsumiert und sei kurze Zeit später von einem Gebäude in den Tod gesprungen. Die Eltern der Teenagerin bestanden darauf, sie sei nicht suizidal gewesen und verlangten, der niederländische Staat solle sich verantworten.

Meile Schot, Besitzer des Ladens aus dem die Pilze gekommen sein sollen äusserte sich dazu folgendermassen:

Ich finde schrecklich, was passiert ist. Aber wir haben die Pilze sicherlich nicht ihr verkauft. Ältere Mitglieder der Gruppe mit der sie in Amsterdam war haben die Pilze für sie gekauft, zu diesem Schluss ist auch die Polizei gekommen. Wir prüfen stets das Alter unserer Kunden.

de Volkskrant, März 2007

Der Fall machte nichtsdestotrotz als Drogenskandal Schlagzeilen und führte dazu, dass die niederländische Regierung den CAM (Coordination point Assessment
and Monitoring new drugs / Koordinationspunkt zur Beurteilung und Beobachtung neuer Drogen) damit beauftragte, die Risiken des Pilzgebrauchs einzuschätzen.

CAM veröffentlichte im Oktober 2007 ihre Einschätzung mit dem Ergebnis, dass Pilze keine Abhängigkeit erzeugen und keine oder eine verschwindend geringe Gefahr für Individuum und Gesellschaft darstellten, abgesehen von einigen Fällen von „flashbacks“ und unangenehmen Erlebnissen, die jedoch stets in Verbindung mit Alkohol zustande kämen. Ausserdem wiesen die Verantwortlichen in ihrer Zusammenfassung darauf hin, dass die Kriminalisierung der Pilze bloss zur Folge hätte, dass stattdessen weit gefährlichere Stoffe eingenommen würden.

Risikoeinschätzung der Pilze durch den CAM: paddo’s (Pilze) im Vergleich zu anderen getesteten Substanzen.
Risiko für die individuelle Gesundheit: keins, Volksgesundheit: gering, öffentliche Ordnung: gering, Kriminalität: gering. Empfohlen wird die Prüfung der Qualität der Ware.

Ungeachtet dessen erklärte die Niederlande im November 2008 die Pilze für nicht länger legal, mit der Begründung, die Risiken seien untragbar und Fälle wie der Mann der seinen Hund häutete seien in Zukunft um jeden Preis zu vermeiden – eine bewusste Fehlinformation seitens des damaligen Ministers für Volksgesundheit Ab Klink.  Dieser gab später zu, den Vorfall zu unrecht dazu benutzt zu haben, das Verbot der Pilze zu erwirken, entgegen der Empfehlung des CAM und dessen Einschätzung, dass dadurch das Risiko durch tatsächlich gefährliche Ersatz-drogen nur steige.

Worauf achten?

Reale Gefahr geht von den Pilzen vor allem dann aus, wenn der legale Erwerb aus Holland als „verbotenes Wissen“ dargestellt wird und die Pilze selbst als Ware des Schwarzmarkts, oder des Dark Net. Diese Darstellung kann vom legalen Erwerb so weit abschrecken, dass Laien sich dazu hinreissen lassen, zum Beispiel selbst in der Natur Jagd auf die leicht zu verwechselnden Pilze zu machen und sich unter Umständen schwere Vergiftungen zu holen.

Psilocybe semilanceata : klein, braun, unscheinbar. Leicht zu verwechseln.

Little Brown Mushrooms“ (kleine braune Pilze) ist der Sammelbegriff für kleine bis mittelgrosse, braune Pilze verschiedenster Spezies, einige davon lebensgefährlich giftig!

Das Sammeln von magischen Pilzen ist äusserst riskant ohne extensives Fachwissen. In keinem Fall sollte man auf gut Glück sammeln oder Pilze konsumieren die eben „richtig aussehen“, da auch tödliche Spezies wie
Galerina autumnalis darunter sein können.

Um das Risiko möglichst einzudämmen, hat TNMS es sich zur Aufgabe gemacht, den legalen Handel mit frischen Trüffeln zu unterstützen und weithin bekannt zu machen. Zuverlässige Händler sind auf der Marktplatz – Seite zu finden.