Die Gesetzeslage

Am Anfang war der Pilz

Magische Pilze und Trüffel wachsen überall auf der Welt in verschiedenen Variationen und deren ritueller und medizinsicher Gebrauch kann für einige Jahrtausende nachgewiesen werden.

Sie wachsen wild, sowohl in Wäldern und auf Wiesen, als auch in (Vor-) Gärten und auf Campingplätzen, wo immer ihre Sporen auf Boden mit den richtigen Nährstoffen fallen.

Ihr legaler Status hat erst angefangen, unklar zu werden, als Albert Hoffmann eine der in manchen Spezies enthaltenen psychotropen Substanzen synthetisierte und ihr den Namen Psilocybin gab.

Schon bald galt die Wirkung der Pilze als gleichbedeutend mit der Wirkung reinen Psilocybins.
Tatsächlich wirken bei Pilzen mehrere Inhaltsstoffe zusammen, Psilocybin ist lediglich der am stärksten vertretene.


Allerdings ist Psilocybin äusserst potent. Die vermutete tödliche Dosis liegt bei nur 6g ( ausprobiert hat man es noch nicht, die Werte wurden von Beobachtungen extrapoliert. ->) und winzig kleine Mengen ( ca.20mg ) sind bereits genug, um unter den richtigen Bedingungen sogenannte „mystische Erlebnisse“, oder auch Trips hervorzurufen – Zustände in denen sich einerseits elementare Wahrheiten eröffnen, andererseits die Gefahren des Alltags für einige Stunden schwer einzuschätzen und zu bewältigen sind.

Die UNO Konvention von 1971

Das wohl bekannteste Dokument im Zusammenhang mit Psilocybin ist die UNO-Konvention über psychotrope Substanzen von 1971.

Diese von 183 Ländern unterschriebene Vereinbarung besagt, dass Psilocybin zu Substanzen aus „schedule I“ (sprich: schedule one) gehört, einer Liste von Substanzen deren Besitz und Handel nur mit entsprechender Sondergenehmigung gestattet ist. Diese Sondergenehmigungen gibt es allerdings sehr selten und sie gehen nicht an Normalsterbliche, sondern höchstens an Institutionen, unter staatlicher Kontrolle.

Der Grund hierfür hat seine Ursprünge sicherlich teilweise in dem seit 1970 wütenden, von Richard Nixon ausgerufenen war on drugs, mehr dazu später.

Für Laien ohne Laborausstattung sind Mengen, bei denen es auf den halben Milligramm ankommt, allerdings kaum bis gar nicht zu dosieren. Es besteht ausserdem das Potential zum Missbrauch, da die winzigen Kristalle ohne Probleme in Essen und Getränke eingemischt werden können – sodass einzelne oder mehrere Personen unfreiwillig und unvorbereitet handlungsunfähig gemacht werden können.
Substanzen mit dieser psychotropen Potenz sind vor allem im medizinischen Gebrauch und zur Forschung nützlich und sind in aller Regel mit Vorschriften behaftet.

Bei den Gefahren von Psilocybin und magischen Pilzen gibt es eigentlich kaum Berührungspunkte. Psilocybin vergammelt nicht und man kann auch nicht die falsche Sorte im Wald pflücken. Es wächst nicht einfach so auf dem Rasen und die Wahrscheinlichkeit, beim zubereiten von Speisepilzen versehentlich eine Portion Psilocybin unterzumischen ist gleich null.

Diese Eigenschaften gehören vielmehr zu magischen Pilzen und Trüffeln, die niemand mal eben unbemerkt in ein Getränk schmuggeln kann. Ein im Glas schwimmender Pilz fällt nicht nur optisch auf, sondern auch geschmacklich.

In der biologischen Kriegsführung finden sie keine Anwendung, da sie im Gegensatz zu Psilocybin nicht heimlich verabreicht werden können.

Sie in solchen Massen zu essen bis die (vermutete) lethale Dosis erreicht ist ist nicht möglich, da der Psilocybingehalt so gering ist, dass man kiloweise Pilze essen müsste. Um diese allerdings kauen und schlucken zu können, ist ein gewisses Mass an Nüchternheit nötig – was während dem Essen aber rapide abnimmt.

Aus genau diesen Gründen sind sie auch nicht Teil der Konvention über Psychotrope Substanzen, laut der UNO sind magische Pilze und Trüffel nicht von der Konvention über psychotrope Substanzen erfasst.

Sie gehören niemandem, wachsen aus dem Boden und sind gut für die Gesundheit. Ein Verbot, magische Pilze zu essen ist ein bisschen wie ein Gesetz gegen das Atmen gesunder Seeluft.

Das Grundrecht besagt in Artikel 2 zudem:

(1) Jeder hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit, soweit er nicht die Rechte anderer verletzt und nicht gegen die verfassungsmäßige Ordnung oder das Sittengesetz verstößt.

Und trotzdem gibt es Länder wie die Niederlande, die 2008 unter ausreichend politischem Druck schliesslich magische Pilze kriminalisiert hat. Frische magische Trüffel sind dort weiterhin völlig legal zu erwerben.

Warum Deutschland das perfekte Land zum Mikrodosieren ist…

Das deutsche Betäubungsmittelgesetz ist besonders ulkig, das einzige das wir finden konnten, in dem spezifisch alle Organismen die kontrollierte Substanzen enthalten verboten sind – unter der Vorraussetzung dass Absicht zum Rausch besteht.

Der letzte Punkt auf der Liste nicht verkehrsfähiger Substanzen ist:

Stoffe nach § 2 Absatz 1 Nummer 1 Buchstabe b bis d mit in dieser oder einer anderen Anlage aufgeführten Stoffen sowie die zur Reproduktion oder Gewinnung von Stoffen nach § 2 Absatz 1 Nummer 1 Buchstabe b bis d geeigneten biologischen Materialien, wenn ein Missbrauch zu Rauschzwecken vorgesehen ist.

https://www.gesetze-im-internet.de/btmg_1981/anlage_i.htm

Nochmal zum Mitschreiben, solange also nicht die Absicht besteht, die Pilze oder Trüffel in grösseren Mengen zu verspeisen und für einige Stunden einen veränderten Bewusstseinszustand zu erwirken, sind weder magische Trüffel noch Pilze in Deutschland illegal.

Das sind die perfekten Bedingungen für die Mikrodosierung, man kann als seriöser Bürger beispielsweise frische Trüffel aus der benachbarten Niederlande bestellen, oder auch selbst Pilze züchten, aus Growboxen oder mit eigenen Sporenkits. Was die reine Mikrodosierung angeht, sind Deutsche Staatsbürger sogar „im Vorteil“, den Niederländern gegenüber. Dort sind Pilze wie gesagt mittlerweile verboten.

Andere Länder machen es sich und ihren Bewohnern mal mehr und mal weniger schwer, ein klares Bild davon zu gewinnen, wie sie die UNO konvention „auslegen“.

Ausschliesslich reines Psilocybin, welches, wie bereits erklärt, ein reales Gefahrenpotential hat, wird dort gelistet.
In einigen Ländern sind Pilze spezifisch erlaubt, in anderen spezifisch verboten. Wachsen tun sie sowieso überall.

Und auch die Listung von Psilocybin in besagtem „schedule I“ ist problematisch, da Forscher mittlerweile handfeste Nachweise dafür haben, dass der medizinische Nutzen von Psilocybin erheblich ist, das Abhängigkeitspotential jedoch gleich null.

Die Revision „The pharmacology of psilocybin“ der Medizinischen Hochschule Hannover enthält zum Thema Abhängigkeitspotential die Aussage:

„Even though significant tolerance is known to occur with repeated use of psilocybin, the development of physical dependence does not occur. „

(Obwohl bei wiederholtem Gebrauch eine Toleranz aufgebaut wird, entsteht keine physische Abhängigkeit.)