Die Gesetzeslage

Magische Trüffel sind seit dem 13. September 2019 als Genussmittel kategorisiert.

Vor dieser Einstufung waren Trüffel in den Niederlanden zwar nicht verboten, jedoch auch nicht völlig legal.

„Zaubertrüffel sind Genussmittel“

Dies definierte die Königliche Niederländische Steuerbehörde, am 13.September 2019 mittels eines Verwaltungsaktes, der Publikation auf ihrer öffentlichen Webseite:

21% btw voor de levering van magische truffels

Magische truffels zijn genotmiddelen. De levering hiervan wordt daarom belast met 21% btw.

De levering van magische truffels is, anders dan bij paddo’s, niet verboden.

Magische truffels vallen niet in de categorie voedingsmiddelen waarvoor het 9%-tarief geldt. Met voedingsmiddelen bedoelen we eet- en drinkwaren en producten die bestemd zijn voor de bereiding, aanvulling of vervanging daarvan. Magische truffels hebben een hallucinerende werking en zijn dus genotmiddelen. Daarom valt de levering hiervan onder het btw-tarief van 21%.

Erklärung: Magische Trüffel haben einen halluzinogenen Effekt und sind deswegen Genussmittel und werden deshalb mit 21% Mwst.[voller Steuersatz in NL] versteuert.

Link: Belastungsdienst.nl

Dieser Verwaltungsakt nennt sich „Legalisierung“. Er findet häufig statt, da immer wieder neue Produkte auf den Markt gebracht werden. Seitdem sind legale Zaubertrüffel also nicht mehr bloss „nicht illegal“, sondern voll versteuert und legalisiert.

Die Niederlande ist bekanntermassen Teil der Europäischen Union.
Als Mitglieder des „Binnenmarkts“ verpflichten sich alle EU-Mitgliedsstaaten (EU-Info), den freien Warenverkehr legaler Güter innerhalb diese Markts zu gewährleisten. Auch die EFTA-Staaten Schweiz und Norwegen haben sich verpflichtet, legalisierte Lebens- und Genussmittel der EU auf ihren nationalen Märkten zuzulassen.

Zaubertrüffel ab 18 – Regulierung von Genussmitteln

Jedem Land steht es zu, für Genussmittel seine eigenen Regulierungen festzulegen. Darunter fallen zum Beispiel Steuersatz und Altersbeschränkung. (Derzeit besteht eine solche Beschränkung noch nicht. Stand April 2020)

Um das Produkt jedoch vom Markt fernzuhalten, sind andere Massnahmen notwendig. Dazu müsste das Land zunächst offiziell verkünden dass es nicht bereit ist, magische Trüffel auf seinem Markt zu akzeptieren.

Da in diesem Falle das Wort des einen Staates gegen das des anderen stünde, würde sich als nächstes das oberste rechtsprechende Organ der Europäischen Union darum kümmern; der Europäische Gerichtshof.

Dieser prüft die Gründe des Landes, das Produkt abzulehnen. Unbedingt sind dabei wissenschaftliche Belege für mögliche Gesundheitsschäden notwendig. „Gefällt mir nicht“ ist kein valider Grund. Selbst schwer gesundheitsschädliche Genussmittel wie Tabak, Alkohol und Absinth sind von keinem Markt ausgeschlossen, sondern lediglich mit Regulierungen versehen.

Fallbeispiel: Energy Drink

Einen ähnlichen Ablauf gab es übrigens anfang der 2000er bei der Einführung des bekannten Energy Drinks Red Bull nach Europa. Verschiedene Staaten, darunter Deutschland und Frankreich hielten das Getränk zunächst von ihrem Markt fern.

Daraufhin baute der Konzern kurzerhand eine Abfüllanlage in Österreich auf – und zack, war Red Bull ein Produkt des europäischen Binnenmarkts. So begann der Verkauf in Deutschland.

Die französischen Behörden beharrten weiterhin auf die Schädlichkeit und beriefen sich auf so eindeutige Studien, dass der Europäische Gerichtshof entschied, dass es sich hierbei nicht um einen Verstoss gegen die Warenfreiheit handele.

Der Unterschied besteht darin, dass Red Bull an Jugendliche verkauft wird, deren Gesundheit unter starkem Zucker- und Koffeinkonsum tatsächlich leidet (Herzflattern, Schlafstörungen). Dies liess sich wissenschaftlich belegen, weswegen Red Bull noch heute ein sehr umstrittener Engery Drink ist.

Bis heute gibt es keinen einzigen Hinweis darauf, dass Zaubertrüffel die Gesundheit Erwachsener schädigen.
Ohne einen solchen Hinweis kann der Ausschluss vom Markt jedoch nichts anderes sein als ein direkter Verstoss gegen die Warenverkehrsfreiheit.

Magic mushrooms – Wie verbietet man einen Pilz?

Psilocybe Mushrooms statues, mushroom heads, pilzköpfe

Magische Pilze und Trüffel wachsen überall auf der Welt in verschiedenen Variationen und deren ritueller und medizinsicher Gebrauch kann für einige Jahrtausende nachgewiesen werden.

Sie wachsen wild, sowohl in Wäldern und auf Wiesen, als auch in (Vor-) Gärten und auf Campingplätzen, wo immer ihre Sporen auf Boden mit den richtigen Nährstoffen fallen.

Ihr legaler Status hat erst angefangen, unklar zu werden, als Albert Hoffmann eine der in manchen Spezies enthaltenen psychotropen Substanzen synthetisierte und ihr den Namen Psilocybin gab.

Bicycle Day — Albert Hofmann And The Accidental Origins Of LSD ...
Albert Hoffmann, „Vater des LSD“

Schon bald galt die Wirkung der Pilze als gleichbedeutend mit der Wirkung reinen Psilocybins.
Tatsächlich wirken bei Pilzen mehrere Inhaltsstoffe zusammen. Psilocybin ist dabei lediglich der am meisten erforschte.

Weitere Inhaltsstoffe sind beispielsweise Aeruginascin und Baeocystin. Die Wirkung dieser chemikalien im Reinzustand ist bisher wenig erforscht, allerdings ist klar dass der sogenannte „entourage effect“ wirkt.


Psilocybin ist äusserst potent. Die vermutete tödliche Dosis liegt bei nur 6g (ausprobiert hat man es noch nicht, die Werte wurden von Beobachtungen extrapoliert. < >).

Winzig kleine Mengen (ca.20mg) sind bereits genug, um unter den richtigen Bedingungen sogenannte „mystische Erlebnisse“, oder auch Trips hervorzurufen. Das sind Zustände in denen sich einerseits elementare Wahrheiten eröffnen, andererseits die Gefahren des Alltags für einige Stunden schwer einzuschätzen und zu bewältigen sind.

Die UNO Konvention von 1971

Das wohl bekannteste Dokument im Zusammenhang mit Psilocybin ist die UNO-Konvention über psychotrope Substanzen von 1971.

Diese von 183 Ländern unterschriebene Vereinbarung besagt, dass Psilocybin zu Substanzen aus „schedule I“ (sprich: schedule one) gehört, einer Liste von Substanzen deren Besitz und Handel nur mit entsprechender Sondergenehmigung gestattet ist. Diese Sondergenehmigungen gibt es allerdings sehr selten und sie gehen nicht an Normalsterbliche, sondern höchstens an Institutionen, unter staatlicher Kontrolle.

Der Grund hierfür hat seine Ursprünge sicherlich teilweise in dem seit 1970 wütenden, von Richard Nixon ausgerufenen war on drugs. Mehr dazu später.

Magische Trüffel oder pures Psilocybin?

Für Laien ohne Laborausstattung ist Psilocybin kaum bis gar nicht zu dosieren. Dabei kommt es auf den halben Milligramm an.

Dabei besteht ausserdem das Potential zum Missbrauch, da die winzigen Kristalle ohne Probleme in Essen und Getränke eingemischt werden können. Sodass bei ausreichender Menge sogar mehrere Personen unfreiwillig und unvorbereitet handlungsunfähig gemacht werden können.
Substanzen mit dieser psychotropen Potenz sind vor allem im medizinischen Gebrauch und zur Forschung nützlich und sind in aller Regel mit Vorschriften behaftet.

Das ist auch der Grund, warum die Reinsubstanz Psilocybin mittlerweile von der amerikanischen Food and Drug Administration (FDA) als therapeutisches Mittel zur Erforschung freigegeben wurde.

Für Privatpersonen ist Psilocybin weiterhin tabu. Allerdings ist auch schwer nachzuvollziehen, was man als Privatperson damit anstellen sollte.

Unterschiede

Bei den Gefahren von Psilocybin und magischen Pilzen gibt es eigentlich kaum Berührungspunkte. Psilocybin vergammelt nicht und man kann auch nicht die falsche Sorte im Wald pflücken. Es wächst nicht einfach so auf dem Rasen und die Wahrscheinlichkeit, beim zubereiten von Speisepilzen versehentlich eine Portion Psilocybin unterzumischen ist gleich null.

Diese Eigenschaften gehören vielmehr zu magischen Pilzen und Trüffeln, die niemand mal eben unbemerkt in ein Getränk schmuggeln kann. Ein im Glas schwimmender Pilz fällt nicht nur optisch auf, sondern auch geschmacklich.

In der biologischen Kriegsführung finden sie keine Anwendung, da Trüffel und Pilze im Gegensatz zu Psilocybin nicht heimlich verabreicht werden können.

Sie in solchen Massen zu essen bis die (vermutete) lethale Dosis erreicht ist ist nicht möglich, da der Psilocybingehalt so gering ist, dass man kiloweise Pilze essen müsste. Um diese allerdings kauen und schlucken zu können, ist ein gewisses Mass an Nüchternheit nötig – was während dem Essen aber rapide abnimmt.

Aus genau diesen Gründen sind sie auch nicht Teil der Konvention über Psychotrope Substanzen, laut der UNO sind magische Pilze und Trüffel nicht von der Konvention über psychotrope Substanzen erfasst.

Sie gehören niemandem, wachsen aus dem Boden und sind gut für die Gesundheit. Ein Verbot, magische Pilze zu essen ist ein bisschen wie ein Gesetz gegen das Atmen gesunder Seeluft.

Das Grundrecht besagt in Artikel 2 zudem:

(1) Jeder hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit, soweit er nicht die Rechte anderer verletzt und nicht gegen die verfassungsmäßige Ordnung oder das Sittengesetz verstößt.

Und trotzdem gibt es Länder wie die Niederlande, die 2008 unter ausreichend politischem Druck schliesslich magische Pilze kriminalisiert hat. Frische magische Trüffel sind dort weiterhin völlig legal zu erwerben.

Warum Deutschland das perfekte Land zum Mikrodosieren ist…

Das deutsche Betäubungsmittelgesetz ist besonders ulkig, das einzige das wir finden konnten, in dem spezifisch alle Organismen die kontrollierte Substanzen enthalten verboten sind – unter der Vorraussetzung dass Absicht zum Rausch besteht.

Der letzte Punkt auf der Liste nicht verkehrsfähiger Substanzen ist:

Stoffe nach § 2 Absatz 1 Nummer 1 Buchstabe b bis d mit in dieser oder einer anderen Anlage aufgeführten Stoffen sowie die zur Reproduktion oder Gewinnung von Stoffen nach § 2 Absatz 1 Nummer 1 Buchstabe b bis d geeigneten biologischen Materialien, wenn ein Missbrauch zu Rauschzwecken vorgesehen ist.

https://www.gesetze-im-internet.de/btmg_1981/anlage_i.htm

Nochmal zum Mitschreiben, solange also nicht die Absicht besteht, die Pilze oder Trüffel in grösseren Mengen zu verspeisen und für einige Stunden einen veränderten Bewusstseinszustand zu erwirken, sind weder magische Trüffel noch Pilze in Deutschland laut BtMG illegal.
Seit dem 13. September 2019, dem Tag, an dem die Zaubertrüffel in den Niederlanden und gültig für die gesamte EU legalisiert wurden, können Zaubertrüffel nicht mehr unter das BtMG fallen. Das würde den „single market“ Bestimmungen zuwiderlaufen. Allerdings verbietet das BtMG ja nur den MISSBRAUCH zu Rauschzwecken (eigentlich sogar nur die Absicht des Missbrauchs zu Rauschzwecken). Da mit der Legalisierung aber ein legitimes Recht auf den Genuss des neuen Genussmittels „Zaubertrüffel“ geschaffen wurde, kann der legitime Gebrauch zu Rauschzwecken nicht gleichzeitig der Missbrauch sein, kurzgesagt, es existiert kein Missbrauch zu Rauschzwecken mehr, weil der Gebrauch zu Rauschzwecken EU-weit gültig legalisiert wurde.

Die Niederlande haben die Zaubertrüffel als Genussmittel legalisiert, gerade WEIL diese eine berauschende Wirkung haben: deswegen sei es kein „Nahrungsmittel zur Stättigung“. Und in den Niederlanden sind Psilocybin und Psilocin genauso verboten, wie in Deutschland – weder die enthaltenen Stoffe noch die Wirkung können also als Argument gegen eine deutsche Markt-Tolerierung genutzt werden.

Die Auslegung eines subsummierenden Verbotsgesetzes zur Verhinderung des Marktzuganges ist EU-rechtswidrig.

Also, die reale Situation in der EU (und dadurch auch EFTA = Norwegen + Schweiz) stellt sich so da, wie die Niederländer es bestimmt haben:

Psilocin, Psilocybin und Zauberpilze sind „illegale Substanzen“, Betäubungsmittel, und der „unerlaubte Handel“ damit ist eine schwere Straftat.

Zaubertrüffel hingegen sind (wegen ihre Rauscherzeugung!) Genussmittel und unbeschränkt verkehrsfähig, so daß der Handel damit eine redliche unternehmerische Tätigkeit darstellt.

Die Revision „The pharmacology of psilocybin“ der Medizinischen Hochschule Hannover enthält zum Thema Abhängigkeitspotential die Aussage:

„Even though significant tolerance is known to occur with repeated use of psilocybin, the development of physical dependence does not occur. „

(Obwohl bei wiederholtem Gebrauch eine Toleranz aufgebaut wird, entsteht keine physische Abhängigkeit.)