Warum wirkt Microdosing?

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Sehr kleine Mengen magischer Trüffel können eingenommen werden, ohne dass sie die Wahrnehmung verzerren.

Dabei nimmt man regelmässig eine feste Menge frischer Trüffel mit dem Frühstück zu sich.

Häufig mikrodosieren Menschen aus einem oder mehreren dieser 3 Gründe; Produktivität, geistige Gesundheit, gute Laune.

Bevor wir auf die chemischen Abläufe der Mikrodosierung im Gehirn eingehen, wollen wir begreifen: Wie kann es sein dass ein und dieselbe Mikrodosis so viele verschiedene Wirkungen haben soll?

Zaubertrüffel mikrodosieren für Gute Laune

Einer der häufigsten Effekte des Microdosing ist die verbesserte Stimmung.

Die einfachste Erklärung dafür ist, dass Tryptamine in den Zaubertrüffeln mit Rezeptoren für Serotonin interagieren. Dies hebt für gewöhnlich die Stimmung (Studie). Serotonin ist im Volksmund auch bekannt als „Glückshormon“.

Glück ist nicht zuletzt ein Signal für den Körper: Wenn du glücklich bist, lächelst du mehr. Und wenn du mehr lächelst, bist du glücklicher.

Wenn man also mikrodosiert und dadurch bessere Laune hat, kann sich daraus eine Rückkopplungsschleife entwickeln:

Doch dies ist nicht alles.

Mittels fMRI Gehirnscans wurde gezeigt, dass Psilocybin ein ganz bestimmtes Muster in der Hirnaktivität auslöst. Dabei wird die Aktivität der zentralen Kontrollstelle, des sogenannten „Default Mode Network„, gedrosselt.

Erstaunlicherweise geht die Wirkung also nicht mit mehr Aktivität einher, wie bislang vermutet. Stattdessen wird das starre Gerüst der alltäglichen Denkmuster etwas gelockert.

Default Mode Network

Das DMN ist ein Netzwerk verschiedener Hirnregionen, welche bei gemeinsamer Aktivität bestimmte Denkmuster hervorrufen.

„Default Mode“ kann man auch verstehen als einen Zustand des Stand-by, des Nichts tuns. Wenn das Gehirn keine konkrete Aufgabe zu bewältigen hat, wird in aller Regel das DMN aktiv.

Es ist verantwortlich für Selbstreflektion, die Vorstellung welche wir von uns und der Welt haben. Bei Aktivität des DMN beginnen wir, über uns selbst nachzugrübeln.

Es gibt zwar Theorien, dass dies alles auch sein Gutes hat, immerhin sollten wir wissen, wo wir stehen in der Gesellschaft. Doch das DMN kann immer weiter Geschichten spinnen, ohne Punkt und Komma und ohne ein Ende in Sicht. Häufig mit einem negativen, selbstkritischen, oder auch selbstgerechten Unterton.

„Ich hätte damels nicht dies sagen sollen, sondern jenes. Was bin ich doch für ein Idiot. Nunja, immernoch besser als X. Der hat ja wohl gar keine Ahnung. Ich weiss auch gar nicht, warum ich mit ihm befreundet bin. Immerhin bin ich mir darüber bewusst dass ich Fehler habe, X hält sich für den Grössten. Ich frage mich, ob seine Freundin ihn betrügt. Ohje, das erinnert mich an meinen Seitensprung damals. Was bin ich doch für ein Schwein. Aber ich hatte meine Gründe. Oh, das erinnert mich an….“

Das Default Mode Network

Übrigens ist bei Patienten mit Depressionen häufig eine Überaktivität des Default Mode Network zu beobachten.

Wer die Natur dieser Litanei länger beobachtet, mag dies nicht unbedingt verwunderlich finden. Das permanente bekritteln, auseinandernehmen und relativieren Aller Bekannten und Freunde vermittelt den Eindruck, dass einen Welten von allem und jedem trennen. Entrfremdung und Einsamkeit durch Grübelei.

Microdosing und Mindfulness

„Meditation und Achtsamkeit“ sind Audrücke von denen man förmlich spürt, wie ungern viele Ärzte sie aussprechen. Mit spitzen Fingern werden derartige Wischi-waschi Therapien am Ende der Besprechung eingeflochten.

„Wenn Sie denn wirklich keine Antidepressiva nehmen wollen… versuchen sie es doch mit Yoga oder so.“

Das ist eigentlich schade, denn es zeugt davon, wie oberflächlich Leiden wie Schwermut und Depressionen immernoch verstanden werden.

Mindfulness hat nichts zu tun mit akrobatischen Verrenkungen und gut gepflegten Zimmerpflanzen.

Es geht darum, die Aktivität des DMN einzudämmen und nicht den ganzen Tag eingeschlossen im eigenen Kopf zu verbringen. Dabei kann Microdosing mit magischen Trüffeln glücklicherweise helfen.

Zaubertrüffel mikrodosieren für die geistige Gesundheit

44% der Teilnehmer an einer Mikrodosierungsstudie empfinden ihre geistige Gesundheit als verbessert durch Microdosing.

Lea, T., Amada, N., Jungaberle, H. et al. Perceived outcomes of psychedelic microdosing as self-managed therapies for mental and substance use disorders.

Dies ergab eine Studie mit 1102 Teilnehmern, welche auf eigene Faust verschiedene Psychedelika (hauptsächlich psilocybinhaltige Pilze/ Trüffel oder LSD) mikrodosierten.

Wie üblich weisen die Autoren darauf hin, dass „Mehr Recherche dringend notwendig ist“. Ergebnisse dieser Art, speziell was die Wirkung von Psilocybin angeht, häufen sich jedoch.

Bereits 2015 wurde festgestellt, dass der Gebrauch „klassischer Psychedelika“ einherging mit vermindertem seelischen Leiden.

2016 ergab dann eine Folgestudie, dass besonders Psilocybin extrem starken Rückgang seelischer Leiden, suizidaler Gedanken, Planung und Versuche verursachte: Psilocybin, psychological distress and suicidality

Die amerikanische Food and Drug Administration (FDA) hat auf diese Ergebnisse bereits reagiert. Seit November 2019 gilt Psilocybin als „Durchbruchstherapie“, das heisst als Stoff mit so grossem Potential dass der Erforschung seiner Wirksamkeit so wenig Steine wie möglich in den Weg gelegt werden sollen.

5 Jahre noch, dann werden Psychedelika ein fester Bestandteil der psychiatrischen Behandlung sein.“ So lautet die Schätzung des Obersten Forschers für Psychedelika am London Imperial College, Robin Carhart-Harris.

Zaubertrüffel mikrodosieren für Produktivität

Wie erhöht man seine Produktivität?

Diese Frage treibt die moderne Welt um.

Die Pharmakologie scheint diese Frage für beantwortet erklärt zu haben; alles was einem erlaubt, noch mehr Stunden am Arbeitsplatz zu verbringen, verbessert logischerweise die Produktivität!

Logisch? Bei näherem Hinsehen ist dieses Modell angepasst auf Maschinen, nicht auf Lebewesen. Je mehr Stunden am Tag das Fliessband läuft, desto mehr Waren können darüber laufen.

Keine Maschinen.

Die Firma Microsoft hat im Sommer 2019 getestet, wie Produktivität mit der im Büro verbrachten Zeit zusammenhängt.

Wie sehr würde eine 4-tägige Arbeitswoche (einen vollen Tag weniger also!) ihrer Produktivität schaden?

So wie wir dieses Beispiel ankündigen, ahnt man es schon; vermutlich gar nicht? Auch nicht ganz richtig.

Die 4 tägige Arbeitswoche steigerte die Produktivität der japanischen Konzernfiliale um 40%.

Die Angestellten kamen in dieser Zeit gern zur Arbeit. Sie machten weniger Pause, hielten effizientere Meetings, verplemperten weniger Resourcen und waren so viel mehr bei der Sache, dass die Firma mit diesem Experiment Gewinn machte.

Produktivität kommt nicht einfach daher, dass man sich zu mehr Zeit am Arbeitsplatz zwingt. Wie dieses Experiment und viele andere zeigen, geht es vor allem um eines: Aufmerksamkeit.

Aufmerksamkeit bestimmt unser ganzes Leben, denn nur Dinge denen wir Aufmerksamkeit schenken sind für uns überhaupt real.

Die meisten kennen das Phänomen, nachdem man sich für ein neues Auto entschieden hat, sieht man exakt dieses Modell plötzlich überall herumfahren.

Volle Aufmerksamkeit, auch bekannt als Flow, gilt als sehr begehrter Zustand beim arbeiten. Wer sich im Flow befindet, ist so vertieft dass er nichts anderes mehr wahrnimmt als die aktuelle Aufgabe.

Multitasking?

Multitasking hingegen ist der direkte Gegensatz zum Flow.

Unsere Aufmerksamkeit ist nicht dazu gemacht, aufgeteilt zu werden. Das beste worauf man hoffen kann ist schnelles Wechseln zwischen verschiedenen Aufgaben. Jegliche Kontinuität geht dabei natürlich verloren.

Je grösser die Versuchung ist, die Aufmerksamkeit aufzuteilen, umso mehr Gefahr geht vom Multitasking aus.

Microdosing und Flow

Allem Anschein nach ist auch das bereits erwähnte Default Mode Network ein Gegenspieler von gezielter Aufmerksamkeit und Flow.

Studien zufolge sind es nämlich Teile eben dieses Netzwerkes, die im Flow-Zustand weniger Aktivität zeigen.

Unter „Microdosing für gute Laune“ haben wir bereits die Rolle des DMN besprochen. Wird jetzt also durch regelmässiges Microdosing dessen Aktivität gebremst, bedeutet das für unser Bewusstsein, dass es etwas anderes mit seiner Zeit anfangen muss. (Denn nicht denken ist keine Option.)

Ist unsere Aufmerksamkeit also frei von dem Zwang der Selbstreflektion, erhöhen sich damit die Chancen auf den Flow-Zustand.

Was geschieht im Körper? Psilocybin…

Tryptamine – so heissen die für die psychologischen Effekte der psilocybinhaltigen Fungi verantwortlichen Stoffe.

Psilocybin

Psilocybin, das am besten bekannte und am stärksten vorhandene Tryptamin in Zauberpilzen wird vom Körper zu Psilocin verarbeitet, welches dann im Gehirn Serotonin-Rezeptoren aktiviert.


Serotonin

Serotonin ist einer der wichtigsten Neurotransmitter (Botenstoffe des Gehirns), es ist weithin bekannt als “Stimmungsregler” und wird auch als Glückshormon bezeichnet, ist aber verantwortlich für weit mehr als nur gute Laune.

Hohe Serotoninlevel begünstigen eine aktive Lebensweise, fördern das Wachstum des Gehirns, machen uns stärker, gesünder, mutiger. Antidepressiva (SSRI) unterdrücken Depressionen indem sie den Abbau von Serotonin verlangsamen, sodass mehr davon im Gehirn präsent ist.

Mikrodosierung beliefert das Gehirn mit Psilocybin, welches Serotonin von der Struktur her so ähnlich ist, dass es im präfrontalen Kortex 5-HT2A-Rezeptoren aktivieren kann, die eigentlich für Serotonin bestimmt sind.

Die Stimulation dieser Rezeptoren sorgt für Veränderungen in der Neurochemie:
Produktion von Hormonen wie BDNF und Glutaminsäure, die das Wachstums des Gehirns fördern und eine erhebliche Rolle beim Lernen und Erinnern spielen.

So können neue Verbindungen im Gehirn entstehen, was mitunter die erhöhte Kreativität und Konzentrationsfähigkeit erklärt. Wir entdecken buchstäblich neue neurologische Wege und erkennen Zusammenhänge die ohne die Zufuhr von Psilocybin verschlossen oder nicht entdeckt waren.

Darstellung der Kommunikation verschiedener Hirnregionen (a) im Normalzustand (b) unter dem Einfluss von Psilocybin. In beiden Zuständen ist die Anzahl gesendeter Signale gleich, nur die Anzahl möglicher Wege ist anders.

Dass unsere Stimmung sich ebenfalls bessert, wir weniger Zeit mit besorgten Grübeleien und sich ewig wiederholenden Tagträumen verbringen, liegt daran dass durch Stimulation des 5-HT2A-Rezeptoren die Aktivität unseres „Ruhezustandsnetzwerkes“ (Default mode network = DMN) heruntergefahren wird.

Dieses Netzwerk ist u.a. verantwortlich für Tagträume, aber eben auch Sorgen, übertrieben kritische Analysen der Vergangenheit und Zukunft, sowie Grübeln über das Ich.

„Ich kann eben nicht aus meiner Haut“, so erklären wir mitunter dass uns ewig die gleichen Gedanken verfolgen. Tatsächlich ist es oft schwer, diesen Teufelskreis zu durchbrechen und übermässige Aktivität des DMN ist vor allem in Menschen mit Depressionen gemessen worden.

Mikrodosierung kann dabei helfen, obsessives Tagträumen und Sorgen einzudämmen, indem sie die Aktivität des DNM abbremst, wodurch mehr Kapazität für andere geistige Aktivitäten frei ist – etwa die Konzentration auf das Hier und Jetzt. So nehmen Stress, Sorgen und damit auch Gereiztheit ab.

Grosse Mengen von Psilocybepilzen können sogenannte “mystische Erfahrungen” auslösen, die auch grosse Auswirkungen auf Weltbild und Persönlichkeit haben können.

Dies erfordert jedoch intensive Vorbereitungen und grosse Entschlossenheit, und geht ausserdem einher mit dem Risiko, unangenehme Erfahrungen zu machen, etwa wenn verdrängte Ereignisse aus der Vergangenheit ins Bewusstsein gelangen und verarbeitet werden müssen.

Für solche psychedelischen Einsichten wird dringend empfohlen, extensive Recherche zu betreiben und sich zunächst mit dem Entheogen (in diesem Falle Psilocybepilze) vertraut zu machen.

Der medizinische Wert von Psilocybin, auch in höheren Dosen, ist zurzeit Thema hitziger Debatten vor allem in den USA und Grossbritannien, wo Mediziner und Psychologen argumentieren, dass die Einstufung des Psilocybins als “Stoff ohne medizinischen Wert mit Hohem Potential zum Missbrauch” ungerechtfertigt ist.

Die Ächtung des noch zu wenig erforschten aber extrem vielversprechenden Stoffes behindere die Forschung immens und verhindere so auch, dass etwa Patienten mit Behandlungsresistenter Depression, Parkinson oder Posttraumatischer Störung Heilung erfahren.